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Liebe Mitbrüder, liebe Schwestern und Brüder hier in St. Peter Gelnhausen, liebe Gläubige aus St. Wendelin in Höchst, liebe Familienangehörige, liebe Gäste, besonders aus Großenlüder, liebe Gemeinde,

nun habe ich die Schlüssel der beiden Gemeinden St. Peter und St. Wendelin vom Dechant überreicht bekommen und ich danke ihm für seinen Dienst der Einführung. Viele Gläubige aus den Pfarrerein in Gelnhausen und Höchst werden sich nun fragen: wie wird er sein, der Neue? Was wird auf uns zukommen?
Zunächst sind die Schlüssel für mich ein Zeichen und ein Anspruch, nicht nur Zugang zu den Gebäuden zu bekommen, etwa zu diesem herrlichen Gotteshaus hier, sondern vielmehr ist es mir ein Anliegen, Zugang zu Ihnen allen zu bekommen und Sie alle persönlich kennen zu lernen. Aber dafür braucht es Zeit. Und ich bitte Sie auch darum, mir Zeit zum Eingewöhnen zu geben.

Ich muss sagen: ich komme nicht mit einem fertigen Programm. Das wäre auch nicht angebracht. Was ich, ja was wir haben, ist das Wort Gottes, und so kann der Schlüssel zweitens dafür stehen, das Wort Gottes zu erschließen und damit immer neu Zugang zu Gott zu erhalten, der in seinem Wort in unsere je aktuelle Situation hinein zu uns spricht. Die Texte des heutigen Sonntages sind hierfür ein sehr passendes Beispiel.
Vielleicht ist es Ihnen bereits beim Hören aufgefallen: Da ist auffallend viel vom Neuen die Rede. Gleich zu Beginn der ersten Lesung hören wir den Propheten Jesaja sagen: „Seht her, nun mache ich etwas Neues. Schon kommt es zum Vorschein, merkt ihr es nicht?“ (Jes 43,19) und das Evangelium endet mit den Worten: „So etwas haben wir noch nie gesehen.“ (Mk 2,12) Die Rede vom Neuen umgibt die heutigen biblischen Texte wie eine Klammer. Und dazwischen ist ganz viel davon die Rede, wie Gott sein Volk sammeln will, wie ER Menschen aus allen Völkern und Schichten ruft, um sie aus allen möglichen Verstrickungen heraus zu befreien und sie zu heilen.
Da tut sich doch ein großer Horizont auf, wie ich meine Aufgabe als Pfarrer in den Gemeinden, die mir nun anvertraut sind, verstehen kann.
Ich bin mir bewusst, ich fange da nicht bei null an! Ich freue mich, dass mein Vorgänger Monsignore Hans Höfler unter uns ist, und ich wollte ihn heute auch nah am Altar haben, um an dieser Stelle zu würdigen, was er in den vergangenen Jahrzehnten hier gewirkt hat. Lieber Hans, du hast einen Großteil deines Lebens hier verbracht und als Priester gewirkt. Ich danke dir dafür und spreche dir für einen „wohl bestellten Weinberg“ meine Anerkennung und meine Wertschätzung aus. Ich denke und hoffe, dass ich daran gut anknüpfen kann. Du bist ja auch dankenswerter Weise bereit, so es dir möglich ist, in deiner Wohnpfarrei auch in Zukunft mit zu wirken, auch dafür herzlichen Dank.
Wenn es bei Jesaja heute heißt: „Seht, nun mache ich etwas Neues“, dann lese ich das im Hinblick auf die Situation, dass sich künftig zwei Pfarreien einen Pfarrer teilen müssen. Damit ist durchaus etwas Neues gegeben, an das wir uns noch gewöhnen müssen. Spätestens hier wird deutlich, dass es in Zukunft – wie in vielen Bereichen unseres Lebens – so auch in unserer kirchlichen Landschaft nicht einfach alles mehr so weitergehen kann wie es einmal war.

Ich danke an dieser Stelle Pater Edward, der während dieser nicht leichten Zeit der Vakanz und der anfänglichen Zeit der engeren Zusammenarbeit hier gewirkt und sich bemüht hat, neue Wege durch das Neuland zu bahnen. Vielen Dank dir, Pater Edward. Ich danke auch unserem Moderator Pfarrer Manuel Neumann, der in den vergangenen Monaten wirklich mit viel Einsatz und Einfühlungsvermögen moderiert und nach guten Wegen für den Pfarrverbund gesucht hat. Manchmal sind neue Wege auch Wege durch die Steppe und die Wüste wie in der ersten Lesung beschrieben, wenn es etwa um die schwierige Frage der Gottesdienstzeiten geht. Ich danke an dieser Stelle auch unserer Gemeindereferentin Frau Magdalena Kowalski, die bereits viele gute Wege in der gemeinsamen Pastoral abgesteckt und mir damit Wege geebnet hat, damit wir künftig gemeinsam gut vorankommen. Ebenso Dank an die beiden Schwestern in den beiden Pfarrbüros, Frau Petitjean und Frau Ritzel. Und wie könnte ich nicht das große Feld der „Ehrenamtlichen“ erwähnen, die ebenfalls in der Zeit der Vakanz weiter gedacht, geplant und angepackt haben. Stellvertretend für alle nenne ich Frau Claudia Sichmann und Herrn Reinhold Leibold als stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende in Gelnhausen und Höchst, die bereits gezeigt haben, mit welchem Sachverstand und mit welcher Leidenschaft gearbeitet wurde. Ich habe das in einer Verwaltungsratssitzung in Gelnhausen selbst erleben dürfen, als es etwa um die Renovierung des Pfarrhauses ging – es ist ja nun sehr schön geworden, und ich kann diese Woche umziehen. Die vielen offenen Hände und offenen Herzen, die ich bereits erlebt und gespürt habe, das alles stimmt mich sehr zuversichtlich. Vielen Dank!

Schauen wir noch kurz auf das Evangelium. Da wird berichtet, wie vier Männer einen Gelähmten zu Jesus bringen. Wird in diesem Bild nicht sehr schön deutlich, worauf es in der Kirche ankommen muss? Dass wir einander helfen, Jesus zu begegnen. Er ist ja der einzige und wahre Hirte seiner Kirche und alles pastorale und auch administrative Tun muss diesem einen Zweck dienen: die Menschen in die heilsame Berührung mit Jesus Christius zu führen! Der Evangelist betont ausdrücklich, wie die Vier gar das Dach durchbrechen, um zu IHM zu gelangen. Und als Jesus „ihren Glauben“ sah, also den Glauben der tragenden Männer (!), da heilte er den Gelähmten. Echter, gelebter Glaube kann Wunder bewirken, wenn wir einander darin bestärken – und da werden mitunter auch ganz neue, unkonventionelle Wege entdeckt.

So kann der Herr also wirken. Aber er handelt oft anders, als die Menschen es erwarten; er handelt auch auf die Gefahr des Widerstandes hin. Jesus hat immer das Ganze im Blick, er will den Menschen von innen heraus berühren und heil machen: „Ihr sollt aber erkennen, dass der Menschensohn die Vollmacht hat, hier auf der Erde Sünden zu vergeben.“ (Mk 2,10) Oberflächlichkeit, kosmetisches Tun und Aktionismus sind IHM fremd. Außen und innen gehören für Jesus immer zusammen, so auch fides et ratio, Glaube und Vernunft, Herz und Verstand, Reden und Tun, Gebet und Nächstenliebe. Das gilt für das Miteinander in den Gemeinden, im Pfarrverbund und im Dekanat. Ich freue mich auf das Miteinander im Dekanat – die große Zahl der Konzelebranten ist ein herrliches Zeugnis für die Einheit im Glauben. Ich denke, das Gesagte gilt auch für das Miteinander in der Ökumene. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Dekan Brill, den ich ja bereits von unserer früheren gemeinsamen Wirkungsstätte her kenne, und den evangelischen Amtsbrüdern. Christlicher Glaube braucht in unserer heutigen pluralen und säkularen Gesellschaft dringender denn je das gemeinsame Zeugnis und den gemeinsamen Einsatz, damit die Welt auf Christus aufmerksam wird.

Liebe Schwestern und Brüder,
die beiden Schlüssel stehen symbolisch für meine zukünftigen Aufgaben und die Verantwortung, die mir heute übertragen wurde. Priester sind keine Einzelkämpfer, gehen wir diese Aufgabe gemeinsam an. Gehen wir gemeinsam den Weg, den Gott uns führt, auch durch Steppen und Wüsten. Haben wir keine Angst vor dem Neuen, sondern beherzigen wir, was das heutige Tagesgebet so formuliert: „Barmherziger Gott, du hast durch deinen Sohn zu uns gesprochen. Lass uns immer wieder über dein Wort nachsinnen, damit wir reden und tun, was dir gefällt.“ Amen.

(C) Kath. Kirchengemeinde St. Peter, Am Schlachthaus 8, 63571 Gelnhausen